Erythrozytenkonzentrate - Blutbeutel

Erythrozytenkonzentrate – Hilfe bei Blutarmut

Geschrieben am: 09.01.2026

Erythrozytenkonzentrate kommen immer dann zum Einsatz, wenn Menschen dringend zusätzliche rote Blutkörperchen benötigen – etwa nach einem Unfall oder bei Blutarmut. Möglich ist die Herstellung nur dank Blutspenden. Doch was genau steckt hinter dem Begriff Erythrozytenkonzentrat, wie wird es gewonnen und eingesetzt? In diesem Beitrag erfährst du alles Wichtige rund um Herstellung und Transfusion der Konzentrate.

Das Wichtigste vorweg

  • Erythrozytenkonzentrate (EK) sind Blutpräparate, die hauptsächlich aus roten Blutkörperchen bestehen und bei Transfusionen eingesetzt werden.
  • Sie ersetzen fehlende Erythrozyten und verbessern den Sauerstofftransport im Körper.
  • Gewonnen werden EK meist durch Vollblutspende oder maschinelle Apherese-Verfahren.
  • Eingesetzt werden sie bei Blutarmut, starkem Blutverlust oder chronischen Erkrankungen.
  • Ohne freiwillige Blutspenden wären Erythrozytenkonzentrate nicht verfügbar – sie retten täglich Leben.

Was sind Erythrozytenkonzentrate?

Nach Blutgruppen getrennt lagern Erythrozytenkonzentrate in der Kühlzelle im Depot des DRK-Blutspendedienst Nord-Ost in Lütjensee
Lagerung der Erythrozytenkonzentrate in einem Kühlraum bei ca. 2 bis 6 Grad Celsius

Ein Erythrozytenkonzentrat (EK) ist ein medizinisches Blutprodukt, das primär aus roten Blutzellen, den sogenannten Erythrozyten, besteht und für Transfusionen verwendet wird. Umgangssprachlich wird das EK oft als „Blutkonserve“ bezeichnet. Wenn allgemein von einer „Bluttransfusion“ die Rede ist, sind meist Erythrozytenkonzentrate als Standardpräparate gemeint, da die Transfusion von Vollblut heute kaum noch stattfindet (abgesehen von der Eigenblutspende).

Die wirksamen Bestandteile des Konzentrats sind rote Blutkörperchen (Erythrozyten). Deren Hauptaufgabe ist der Transport von Sauerstoff und anderen Atemgasen, ermöglicht durch das in ihnen enthaltene Protein Hämoglobin.

Wie werden Erythrozytenkonzentrate gewonnen?

Die Herstellung eines Erythrozytenkonzentrats (EK) beginnt meist mit der Vollblutspende. Bei diesem Standardverfahren werden etwa 500 ml Vollblut mittels venöser Spende gewonnen. Bei der Blutspende fließt das Blut in ein geschlossenes Beutelsystem, das ein gerinnungshemmendes Mittel und eine Nährlösung für die Zellen enthält. Nach der Spende wird das gesamte Vollblut in einem Blutspendezentrum weiterverarbeitet und in seine einzelnen Komponenten zerlegt. In der Zentrifuge werden die Bestandteile des Blutes durch extrem schnelles Schleudern entsprechend der Schwere voneinander getrennt.

Durch das Zentrifugieren wird das Vollblut in seine Bestandteile aufgetrennt

  • die Erythrozyten (roten Blutkörperchen)
  • das zellfreie Blutplasma
  • den sogenannten Buffy Coat, der Thrombozyten und Leukozyten enthält

Um das fertige Erythrozytenkonzentrat zu erhalten, werden der Überstand (Plasma und Buffy Coat) abgetrennt. Die verbleibenden Erythrozyten werden anschließend in einer speziellen Additiv- oder Stabilisatorlösung aufgeschwemmt. 

Wie genau die Weiterverarbeitung des Blutes nach der Blutspende funktioniert erfährst du in unserem Beitrag Was passiert mit dem Blut nach einer Blutspende?

Alternativ zur Vollblutspende können die Erythrozyten auch direkt durch das maschinelle Erythrozytenapherese-Verfahren gewonnen werden. Dabei werden nur die roten Blutbestandteile abgetrennt, während die anderen Komponenten in den Kreislauf des Spenders zurückgeleitet werden.

Was sind Erythrozyten?

Erythrozyten sind die roten Blutzellen, die den Hauptbestandteil von Erythrozytenkonzentraten bilden. Sie sind die wirksamen Bestandteile des Konzentrats. Ihre primäre Funktion beruht auf dem enthaltenen Protein Hämoblobin, das für die Aufnahme, den Transport und die Abgabe von Sauerstoff verantwortlich ist. Noch mehr erfährst du in unserem Beitrag über Erythrozyten.

Wann werden Erythrozytenkonzentrate eingesetzt?

transfusion-erythrozytenkonzentrat-patientin
Katerina leidet unter der seltenen Blutkrankheit "Thalassämie Major" und benötigt ein Leben lang regelmäßig Transfusionen mit Erythrozytenkonzentraten. Blutspendern ist sie sehr dankbar.

Erythrozytenkonzentrate (EK) sind Blutzubereitungen, die primär zur Behandlung von Blutarmut eingesetzt werden. Die gesamte Therapie, die sogenannte Erythrozytentransfusion, zielt darauf ab, Schäden, die durch Sauerstoffmangel entstehen, zu verhindern. Das Konzentrat ersetzt fehlende Erythrozyten, um den Hämoglobinwert und damit den Sauerstofftransport im Blut zu erhöhen.

Erythrozytenkonzentrate sind notwendig zur Behandlung von

  • starkem Blutverlust, beispielsweise nach traumatischen Ereignissen oder größeren chirurgischen Eingriffen
  • chronischen Anämien, wenn die Ursache der Blutarmut nicht anders behandelbar ist oder der klinische Gesamtzustand des Patienten eine Transfusion erfordert.

Die Entscheidung für eine Transfusion wird stets individuell getroffen und hängt vom Gesamtzustand des Patienten ab. Der Hb-Wert ist zu niedrig, wenn er bei Frauen weniger als 12,5 Gramm pro Deziliter und bei Männern weniger als 13,5 Gramm pro Deziliter beträgt. Es liegt dann eine sogenannte Anämie vor, die auch als Blutarmut bezeichnet wird. Unabhängig vom Hb-Wert muss die Ursache der Anämie möglichst geklärt und kausal therapiert werden.
Die Konzentration von Hämoglobin ist dagegen zu hoch, wenn sie bei Frauen über 16,5 Gramm pro Deziliter und bei Männern über 18,5 Gramm pro Deziliter liegt. In dem Fall kann eine sogenannte Polyglobulie bestehen, bei der sich zu viele Erythrozyten im Blut befinden.

Ablauf einer Transfusion

Die Übertragung eines Erythrozytenkonzentrats (EK), auch Erythrozytentransfusion genannt, ist ein streng geregelter Prozess, dessen primäres Ziel die Sicherheit des Patienten ist.

Vorbereitung und Kompatibilität

Eine Mitarbeiterin führt die Kreuzprobe durch.

Vor jeder Transfusion muss die Blutgruppenkompatibilität zwischen Spender und Empfänger beachtet werden. Zur Vorbereitung gehört im Regelfall die Bestimmung der Blutgruppe, der Antikörpersuchtest sowie die Durchführung einer serologischen Verträglichkeitsprobe (Kreuzprobe). In Ausnahmefällen, wie lebensbedrohlichen Notfällen, kann auf die Kreuzprobe verzichtet werden.

Unmittelbare Durchführung

Unmittelbar vor der Anwendung muss das EK einer optischen Qualitätsprüfung unterzogen werden, auffällige Konzentrate dürfen nicht verwendet werden. Zudem muss der transfundierende Arzt einen AB0-Identitätstest (Bedside-Test) am Empfängerblut vornehmen, um die korrekte Blutgruppe zu bestätigen. Das EK wird als Infusion über ein Transfusionsgerät verabreicht. Ein durch das Transfusionsbesteck geöffnetes Konzentrat muss unverzüglich, spätestens jedoch innerhalb von sechs Stunden, transfundiert werden. Treten während der Übertragung Unverträglichkeiten auf, muss die Transfusion unverzüglich abgebrochen werden, wobei der Venenzugang offen zu halten ist, um sofort Notfallmaßnahmen einzuleiten.

 

Mögliche Risiken und Nebenwirkungen

Obwohl Bluttransfusionen heute sehr sicher sind und strengen Tests unterliegen, können beim Patienten immer noch Nebenwirkungen und Komplikationen auftreten.

  • Unverträglichkeit der Blutgruppe (Hämolyse): Die häufigste Ursache für eine sofortige schwere Reaktion ist, dass die übertragene Blutgruppe nicht zur Blutgruppe des Patienten passt (sogenannte AB0-Inkompatibilität). Dies kann während oder kurz nach der Transfusion passieren und führt dazu, dass die roten Blutkörperchen des Spenders vom Körper des Empfängers zerstört werden.
  • Um dies zu verhindern, wird die Blutgruppe vorher bestimmt und unmittelbar vor der Transfusion muss ein AB0-Identitätstest (Bedside-Test) durchgeführt werden.

Leichtere, akute Reaktionen

  • Fieberhafte Reaktionen
  • Hautausschläge
  • Kreislaufüberlastung
  • Eisenüberladung

Blutspenden retten Leben

blutspende-spenderin

Ohne freiwillige Blutspenden gäbe es keine Erythrozytenkonzentrate. Jede Spende hilft, Leben zu retten. Besonders Vollblutspenden sind eine wichtige Quelle für Erythrozytenkonzentrate, da sie den notwendigen Anteil roter Blutkörperchen enthalten. Deshalb ist eine kontinuierliche Spendenbereitschaft so wichtig. Wenn auch du mit einer Blutspende helfen möchtest, findest du hier Blutspendetermine in deiner Nähe und die Möglichkeit zur Terminreservierung.

Häufig gestellte Fragen - FAQs

Ein Erythrozytenkonzentrat kann unter optimalen Bedingungen bis zu 42 Tage gelagert werden. Dafür muss es konstant zwischen 2 und 6 Grad Celsius gekühlt werden. Die Einhaltung der Kühlkette ist entscheidend, um die Sicherheit und Wirksamkeit des Blutprodukts zu gewährleisten.

Ein Erythrozytenkonzentrat wird bei schwerem Blutverlust, Blutarmut (Anämie) oder chronischen Erkrankungen verabreicht, wenn der Hämoglobinwert zu niedrig ist und die Sauerstoffversorgung des Körpers gefährdet ist. Die Entscheidung für eine Transfusion wird individuell vom behandelnden Arzt getroffen.

Vor der Transfusion erfolgt eine genaue Blutgruppenbestimmung sowie ein Verträglichkeitstest (Kreuzprobe). Das Erythrozytenkonzentrat wird anschließend über eine Infusion unter ärztlicher Aufsicht verabreicht. Dabei werden die Vitalwerte regelmäßig kontrolliert, um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.

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Blutspendedienste Baden-Württemberg – Hessen und Nord-Ost
DRK-Blutspende Team

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