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Immunthrombozytopenie – wenn Blutplättchen fehlen

Geschrieben am: 11.08.2026

Blutplättchen, auch Thrombozyten genannt, spielen eine zentrale Rolle bei der Blutgerinnung. Sie sorgen dafür, dass kleine Verletzungen schnell verschlossen werden und Blutungen zum Stillstand kommen. Wenn zu wenige Thrombozyten im Blut vorhanden sind, steigt die Blutungsneigung – es kommt leichter zu blauen Flecken, Nasenbluten oder punktförmigen Hautblutungen. Eine Erkrankung, bei der genau das passiert, ist die Immunthrombozytopenie.

Das Wichtigste vorweg

  • Die Immunthrombozytopenie (ITP) ist eine seltene Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die eigenen Thrombozyten angreift und abbaut.
  • Typische Symptome sind blaue Flecken, Petechien, Nasen- und Zahnfleischbluten sowie häufig auch starke Erschöpfung; manche Betroffene bleiben zunächst beschwerdefrei.
  • Die Diagnose wird durch Anamnese, körperliche Untersuchung, Blutbild, Blutausstrich und Ausschluss anderer Ursachen gestellt.
  • Die Behandlung richtet sich nach der Blutungsneigung und reicht von Beobachtung über Kortison und Immunglobuline bis zu weiteren Therapien; in Notfällen können Thrombozytentransfusionen nötig sein.
  • Menschen mit ITP sind oft auf Thrombozytenspenden angewiesen, weil sie selbst in der Regel nicht spenden dürfen und Spenderblut für die Versorgung lebenswichtig sein kann.

Was ist Immunthrombozytopenie?

Die Immunthrombozytopenie (ITP) ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die eigenen Thrombozyten angreift und vorzeitig abbaut. In der Folge zirkulieren zu wenige Blutplättchen im Blut, was die Blutgerinnung stört. ITP ist insgesamt selten, kann aber sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene betreffen. Man unterscheidet eine primäre ITP ohne erkennbare Ursache von einer sekundären Form, die im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen oder bestimmten Medikamenten auftritt.

Typische Symptome und Alltag mit ITP

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Viele Betroffene bemerken zunächst kleine Anzeichen wie

  • vermehrte blaue Flecken (Hämatome),
  • punktförmige Hauteinblutungen (Petechien) oder
  • häufiges Nasen- und Zahnfleischbluten.

Zudem klagen viele Patientinnen und Patienten über eine ausgeprägte Erschöpfung und Müdigkeit (Fatigue). Es gibt jedoch auch Fälle – bei Erwachsenen etwa 20 bis 30 % – die zum Zeitpunkt der Diagnose völlig beschwerdefrei sind.

In schwereren Fällen können innere Blutungen auftreten, zum Beispiel im Magen-Darm-Trakt, in der Harnblase oder im Gehirn. 

Der Alltag kann dadurch stark beeinflusst sein:

  • Tätigkeiten mit hohem Verletzungsrisiko, insbesondere Kampf- und Kontaktsportarten bei niedrigen Werten (unter 50.000/µl), sollten mit Ärztinnen und Ärzten genau abgestimmt werden.
  • Auch geplante Operationen erfordern eine enge medizinische Absprache.

Leben mit einer Immunthrombozytopenie

Seit ihrem 12. Lebensjahr ist Jess an einer Immunthrombozytopenie erkrankt. Sie ist im Notfall auf Blutspenden anderer angewiesen, darf aber wegen ihrer Erkrankung und der niedrigen Thrombozytenzahl selbst nicht spenden. Jess weiß deshalb, wie wichtig Blutspenden sind - auch wenn sie bisher noch keine Blutkonserve gebraucht hat. Spätestens bei einer Schwangerschaft und der Geburt eines Kindes könnte sie auf das Blut anderer angewiesen sein. Was ITP für Betroffene bedeutet und warum diese auf Blutspenden angewiesen sein können, erläutern wir anhand der Geschichte von Jess

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose beginnt meist mit einem ausführlichen Gespräch und einer körperlichen Untersuchung. 

  • Anamnese & körperliche Untersuchung: Bewertung von Blutungsneigung, Medikamenteneinnahme, Infektionen und Symptomen wie Fieber oder Gewichtsverlust.
  • Blutbild: Nachweis der Thrombozytopenie
  • Blutausstrich: Begutachtung durch einen erfahrenen Diagnostiker, Ausschluss von einer angeborenen Thrombozytopenie
  • Ausschlussdiagnostik: Untersuchungen auf Autoimmunerkrankungen, Infektionen oder Knochenmarkserkrankungen.

Im Labor zeigt sich eine deutlich verminderte Zahl von Thrombozyten, andere Ursachen des Thrombozytenmangels müssen ausgeschlossen werden. Die Behandlung hängt davon ab, wie stark die Blutungsneigung ausgeprägt ist. Bei milden Verläufen reicht manchmal zunächst ein abwartendes Beobachten. Bei ausgeprägteren Beschwerden kommen Medikamente wie Kortison, Immunglobuline oder Wirkstoffe zum Einsatz, die die Bildung von Thrombozyten im Knochenmark anregen. In akuten Notfallsituationen mit bedrohlichen Blutungen müssen die Thrombozytenwerte rasch angehoben werden – hier können Thrombozytentransfusionen lebensrettend sein.

Diagnose im Institut für Transfusionmedizin

Das Deutsche Rote Kreuz verfügt mit dem Institut für Transfusionsmedizin und Immunologie in Mannheim über eine spezialisierte Einrichtung, in der Thrombozyten-Diagnostik gezielt durchgeführt wird. Dort können Blutplättchen-Erkrankungen mit speziellen Laborverfahren genauer abgeklärt werden, um eine Immunthrombozytopenie von anderen Ursachen der Thrombozytopenie abzugrenzen. Zum Einsatz kommen dabei unter anderem Untersuchungen auf thrombozytäre Autoantikörper sowie weitere diagnostische Verfahren, die eine präzisere Einordnung des Krankheitsbildes ermöglichen. Gerade bei unklaren Befunden oder vor einer möglichen Transfusion ist diese spezialisierte Diagnostik wichtig, um die weitere Behandlung möglichst passend zu planen.

Warum Blutspenden und Thrombozytenspenden für Menschen mit ITP lebenswichtig sind

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Wenn die körpereigenen Thrombozyten massiv abgebaut werden oder in einer akuten Blutungssituation schnell gehandelt werden muss, reichen Medikamente allein häufig nicht aus. Dann erhalten Patientinnen und Patienten Thrombozytenkonzentrate, um die Gerinnungsfähigkeit des Blutes kurzfristig zu verbessern. Menschen mit ITP können aufgrund ihrer verminderten Thrombozytenzahl und des erhöhten Blutungsrisikos in der Regel selbst kein Blut spenden. Sie sind auf die Hilfe gesunder Spenderinnen und Spender angewiesen. Thrombozytenspenden werden darüber hinaus auch bei vielen anderen Erkrankungen benötigt, etwa bei Chemotherapien – der Bedarf ist entsprechend hoch.

Blutspenden retten Leben

Ohne freiwillige Blutspenden gäbe es keine Thrombozytenkonzentrate. Jede Spende hilft, Leben zu retten. Deshalb ist eine kontinuierliche Spendenbereitschaft so wichtig. Wenn auch du mit einer Blutspende helfen möchtest, findest du hier Blutspendetermine in deiner Nähe und die Möglichkeit zur Terminreservierung. Eine Vollblutspende wird weiterverarbeitet, und neben einem Erythrozytenkonzentrat (rote Blutzellen) und dem Blutplasma (flüssiger Bestandteil des Blutes), kann auch ein Thrombozytenkonzentrat aus Vollblutspenden gewonnen werden. Es entsteht dabei ein sogenanntes Pool-Thrombozytenkonzentrat, für das das Blut von vier Spenden derselben Blutgruppe zusammengeführt wird. 

So hilft deine Blutspende Menschen mit ITP konkret

Eine sogenannte Thrombozytapherese - also die Spende von Blutplättchen - beginnt damit, dass du gesund zur Spende erscheinst. Während des Spendevorgangs, der rund 60 Minuten dauert, werden deine Thrombozyten mit einem speziellen Gerät aus dem Blut herausgefiltert. Aus diesen Spenden werden Thrombozytenkonzentrate gewonnen, die auf Stationen, in Notaufnahmen und Operationssälen eingesetzt werden. Für Patientinnen und Patienten mit schwerer ITP können diese Präparate entscheidend sein, um eine lebensbedrohliche Blutung zu stoppen oder einen notwendigen Eingriff zu ermöglichen. Oft sind mehrere Spenden nötig, um eine Person ausreichend zu versorgen. 

Wie genau die Weiterverarbeitung des Blutes nach der Blutspende funktioniert erfährst du in unserem Beitrag Was passiert mit dem Blut nach der Blutspende?

FAQs

Die Immunthrombozytopenie ist bei Kindern oft heilbar, da sie in einem Großteil der Fälle innerhalb weniger Wochen oder Monate spontan ausheilt. Bei Erwachsenen hingegen verläuft die ITP meist chronisch, ist selten komplett heilbar. 

Blutplättchen, auch Thrombozyten genannt, sind wichtig für die Blutstillung. Sie helfen dabei, Blutungen zu stoppen und Wunden zu verschließen.

Typisch sind blaue Flecken, punktförmige Hautblutungen, Nasenbluten und Zahnfleischbluten. Manche Betroffene sind zusätzlich sehr müde. Es gibt jedoch auch Fälle – bei Erwachsenen etwa 20 bis 30 % – die zum Zeitpunkt der Diagnose völlig beschwerdefrei sind.

Die Diagnose erfolgt meist über Anamnese, körperliche Untersuchung, Blutbild und Blutausstrich. Wichtig ist außerdem, andere Ursachen für die niedrige Thrombozytenzahl auszuschließen.

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Blutspendedienste Baden-Württemberg – Hessen und Nord-Ost
DRK-Blutspende Team

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