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"Jeder Tag ist so kostbar": Wie Anja gegen die Leukämie kämpft

Geschrieben am: 27.01.2026

Am 4. Februar ist Weltkrebstag

Ziel dieses internationalen Aktionstages ist es unter anderem, das Thema "Krebs" auf der globalen Agenda zu halten und gemeinsam auch mit vielen Betroffenen über neue Entwicklungen in der Krebsforschung und -behandlung zu informieren. Eine Patientin, die sich stark macht im Kampf gegen den Krebs, ist Anja aus Schleswig-Holstein, deren Geschichte wir hier erzählen.

Die Diagnose reißt einen mitten aus dem aktiven Leben

Wir erinnern uns alle noch an die Zeit der Pandemie. 2020 war das Jahr, in dem der Umgang mit dem Corona-Virus die Welt prägte und große Verunsicherung mit sich brachte. Genau in diese Zeit fiel für die damals 31-jährige Anja aus Schleswig-Holstein eine Diagnose, die ihre und die Welt ihres Lebensgefährten Bodo zusätzlich völlig aus den Angeln hob. Die sportliche junge Frau war Ende Mai gerade auf dem Weg zu einem Surf-Camp. Da sie sich vorher des Öfteren kraft- und energielos gefühlt hatte, hatte sie beim Arzt ein paar Tests machen lassen und erhielt nun die Nachricht, dass ihr Hämoglobin-Wert mit 4 g/dl (Gramm pro Deziliter; Normbereich bei Frauen 12-16 g/dl) viel zu niedrig sei und sie sich sofort ins nächste Krankenhaus begeben solle. Sie entschied sich für das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in Hamburg und wusste wenige Tage später, dass sie an Akuter Myeolischer Leukämie (AML) litt. Was dann folgte, wusste sie zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise noch nicht...

Der Krankenhausaufenthalt während der Pandemie bedeutete totale Isolation

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Anja und ihr Freund Bodo mussten nun einerseits mit dieser unfassbaren Diagnose umgehen. Gemeinsam trafen sie die Entscheidung für eine Chemotherapie und wussten, dass eine Stammzelltransplantation unausweichlich sein würde. Auf der anderen Seite bedeuteten die Vorgaben und Regeln während der Pandemie, dass die beiden sich für zunächst einmal unbestimmte Zeit voneinander verabschieden mussten, denn Anja im Krankenhaus zu besuchen, war natürlich unmöglich. "Wenn ich mit dem Motorrad von der Arbeit nachhause fuhr, bin ich am Krankenhaus vorbeigefahren, habe mich dort auf die Wiese gelegt, hochgeschaut und wir haben miteinander telefoniert. Das ist echt hart, wenn da oben jemand liegt, der einem so nahe steht und man kann diesem Menschen nicht näher sein." Die Diagnose AML war für das Paar der "Alptraum schlechthin". Zu einem recht frühen Zeitpunkt wurde Anja und Bodo mitgeteilt, dass es für einen eventuellen Kinderwunsch nun auch zu spät sei. 

Mitte August - zwischenzeitlich konnte Anja noch einmal für 2 Wochen zuhause sein - kam der Anruf des Krankenhauses, dass ein passender Stammzellspender gefunden sei. Am 18. August ging es also wieder ins UKE, wo noch einmal eine Chemotherapie folgte. Am 27. August 2020 war es dann soweit: "An diesem Tag habe ich mein neues Leben bekommen", erinnert sich Anja heute zurück an das Datum ihrer Stammzelltransplantation. 

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Einen weiteren Monat später konnte sie das Krankenhaus verlassen. Für uneingeschränkten Optimismus war es jedoch noch viel zu früh. Mitte Oktober ging es Anja wieder schlechter. Ihr Natrium Spiegel war zu niedrig, sie begann zu fantasieren. Anja kam wieder ins Krankenhaus, erhielt unter anderem mehrere Bluttransfusionen. Aber ihr Zustand verschlechterte sich weiter, ihr Körper krampfte. Sie wurde auf die Intensivstation verlegt, musste ins künstliche Koma versetzt werden. "Während der drei Wochen im Koma entwickelte sich eine Gehirn-Entzündung. Im MRT konnte man deutlich erkennen, dass das Gehirn sichtbar geschädigt war", sagt Anja. Bodo ergänzt: "Leider ist dabei auch Anjas Kurzzeitgedächtnis kaputt gegangen." (Anm.: MRT = Magnetresonanztherapie, mit der man Schnittbilder des menschlichen Körpers erzeugen kann). 

Vom UKE ging es dann für Anja weiter in die Schön Klinik Hamburg Eilbek. Dort kam sie auf die Schlaganfallstation, lag noch mehrmals im Koma.  "Laufen, Sprechen - ich musste das alles neu lernen." Trotz schwierigster Umstände während der Pandemie hatte Anja ihren Freund Bodo immer an ihrer Seite. 

Jeden Tag schrieb Bodo seiner Freundin Briefe:

"Die Briefe wurden Anja vorgelesen, auch als sie im  Koma lag. Mir wurde gesagt, sie habe bei jedem Brief gelächelt. Als ich ihr einmal ein Gedicht geschrieben hatte, da habe sie sogar Tränen in den Augen gehabt."

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Anjas Ehemann durchlebte die schwierige Zeit mit ihr

Anja ist immer positiv und optimistisch geblieben

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Am 26. März 2021 konnte Anja endlich nachhause. Aber die Folgen ihrer schweren Erkrankung spürt sie auch heute noch mit Symptomen wie Fatigue, Konzentrationsstörungen und auch Morbus Addison, einer Unterfunktion der Nebennierenrinde. Dazu kommt ein chronischer Natrium und Kalium Mangel, der immer wieder mit Infusionen ausgeglichen werden muss. Ihre Berufstätigkeit als Angestellte bei der Hamburger Hochbahn-Wache kann sie bislang noch nicht wieder ausüben. Aber Anja war und ist immer positiv und optimistisch. Ihre Situation auch mit Humor zu nehmen, habe ihr bei der Verarbeitung sehr geholfen. "Man schätzt die kleinen Dinge viel mehr als vorher. Jeder Tag ist so unendlich kostbar." 

Anja setzt sich für mehr Informationen zum Thema Leukämie ein

Ihre Situation als Betroffene nutzt Anja heute, um auf vielen Informationsveranstaltungen, auf Social Media oder auch in Schulklassen über das Thema Leukämie aufzuklären. "Wenn man das alles selbst durchlebt hat, kann man von einer ganz anderen Perspektive berichten und Erfahrungen weitergeben", sagt sie. Viele Menschen folgen ihr bereits auf ihrem Instagram Kanal leuko_fighting Anja will leben

Ein besonderes Datum: Der Hochzeitstag von Anja und Bodo

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Die Erfahrungen, die Anja und Bodo in den vergangenen Jahren gemeinsam durchlebt haben, haben das Paar noch enger zusammen geschweißt. 2022 haben die beiden geheiratet. An dem Tag, der für immer eine besondere Bedeutung für sie haben wird: Der 27. August 2022 ist ihr Hochzeitstag. Nur zwei Jahre zuvor erhielt Anja ihre Stammzelltransplantation und damit ihr "neues Leben". Bodo ist seit Anjas Erkrankung regelmäßiger Blutspender geworden. Er hat erlebt, wie wichtig dieses Engagement ist. Seinen nächsten Spendetermin hat er bereits gebucht!

Liebe Anja, lieber Bodo: Vielen Dank, dass Ihr Eure Geschichte mit uns teilt. Für die Zukunft wünschen wir Euch alles Gute! ♥️♥️

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Autorin Susanne
Susanne

Liebt als gebürtige Kielerin Wind und Meer und freut sich, dass sie auf vielen Terminen zum Thema Blutspende in Hamburg und Schleswig-Holstein Land und Leute immer besser kennenlernt.

Pressereferentin beim DRK-Blutspendedienst Nord-Ost am Standort in Lütjensee, Schleswig-Holstein

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