Geschrieben am: 20.01.2026
Wie lokale Blutspende-Botschafter in ländlichen Regionen bei der Spendergewinnung helfen
In Zeiten von Künstlicher Intelligenz, TikTok-Trends und Influencer-Marketing gerät die persönliche Ansprache von Menschen gefühlt immer mehr in den Hintergrund. Doch gerade im Kontext der Blutspende spielt das direkte Gespräch – vor allem in ländlichen Regionen – eine zentrale Rolle. In diesem Artikel möchten wir dir zeigen, wie sich bundesweit Menschen aus verschiedenen Bereichen abseits digitaler Kanäle für das Thema Blutspende engagieren und zur Spendergewinnung beitragen.
Parteiloser Bürgermeister aus Sachsen mit 100 Blutspenden
Einer unserer lokalen Helden ist Thomas Lang. Thomas Lang ist parteiloser Bürgermeister einer sächsischen Gemeinde im Erzgebirgskreis (Schönheide) – und ganz nebenbei mehrfacher Lebensretter. Denn der 49-Jährige hat im Oktober 2025 bereits seine 100. Blutspende geleistet und geht im Ort als Blutspendevorbild voran.
Das Blutspenden wurde Thomas Lang in die Wiege gelegt. Bereits seine Großeltern und Eltern sind regelmäßig zu den mobilen Terminen in der Region gegangen. 1994 hat er als damals 18-Jähriger dann selbst das erste Mal Blut gespendet und ist bis heute am Ball geblieben. Auf die Frage, weshalb Blut spenden für ihn so wichtig ist, gibt er eine eindeutige Antwort: „Ganz klar, weil es direkte, menschliche Hilfe ist – schnell, unmittelbar und solidarisch. Jeder von uns kann plötzlich und unerwartet auf eine Blutspende angewiesen sein – denn auch sehr junge Menschen kommen manchmal und ziemlich plötzlich in Situationen, sei es durch Krankheiten oder Unfälle, in denen eine Blutspende Leben retten kann – und dann zählt jede einzelne.“
Thomas Lang, früherer Offizier bei der Bundeswehr, spendet nicht nur regelmäßig Blut, sondern spricht die Menschen im Ort auch direkt an. Er kümmert sich mit seinen Gemeindemitarbeitern um das Verteilen von Werbeplakaten und veröffentlicht die Blutspendetermine im Lokalanzeiger. Er ist quasi ein analoger Blutspende-Influencer, der die Blutspendeaktionen in seiner Heimat als „einen gesellschaftlichen Treffpunkt [sieht], bei dem man mit den Bürgerinnen und Bürgern auch über andere Themen in den Austausch kommt“.
Für Thomas Lang ist es wichtig, bereits den jungen Leuten in der Region die Bedeutung der Blutspende zu vermitteln. Seine Kinder haben ihn selbst häufig zu den mittlerweile 100 Spendeterminen begleitet und wissen um die Notwendigkeit dieses sozialen Engagements. Thomas Lang appelliert an den potentiellen Spendernachwuchs: „Traut euch! Blutspenden ist eine einfache Möglichkeit, anderen Menschen wirksam zu helfen – mit nur wenig Zeitaufwand. Gesellschaftlich ist dies ein beispielhaftes Verhalten, das Achtung und Anerkennung verdient. Viele Menschen verdanken ihr Leben Spendern wie euch. Ich kann deshalb an dieser Stelle bitten und auch auffordern, sich auf diese Art und Weise sozial zu engagieren.“
Gymnasiallehrer bewegt weit über 100 Schüler*innen zur Blutspende
Jungen Menschen die Wichtigkeit des Blutspendens näherbringen – das ist das Herzensprojekt von Dominik Thiel. Seit 2008 vermittelt der Lehrer für Geschichte, Ethik und Biologie am Gymnasium Weikersheim im Main-Tauber-Kreis seinen Schülerinnen und Schülern, wofür Blutkonserven gebraucht werden und wie Blutspenden Leben retten. Sein Einsatz zahlt sich aus. Bereits weit über 100 seiner Schützlinge konnte er zur Blutspende im benachbarten Markelsheim bewegen.
Für Dominik Thiel ist die Bereitschaft zur Blutspende „aus ethischer und biologischer Sicht wichtig“. Aus diesem Grund setzt er bewusst den Themenschwerpunkt im Biologieunterricht. Er betont: „Die Schülerinnen und Schüler sollen selber eine Entscheidung treffen, wohlwissend, dass sie eines Tages auch einmal von so einer Spende profitieren könnten.“
Der Gymnasiallehrer in Weikersheim ist seit seinem 18. Lebensjahr selbst regelmäßiger Blutspender und seit vielen Jahren ein richtiger Blutspende-Influencer. „Da ich dieses Projekt schon einige Jahre mache, kennen die meisten Schülerinnen und Schüler meine Begeisterung für das Thema und sind dann auch nicht verwundert, wenn ich den Termin in der Turnhalle Markelsheim vorstelle und frage, wer mitkommt. Einige können es kaum abwarten“, berichtet er und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Natürlich ist es auch ein ‚Erlebnis‘, den eigenen Lehrer mit einer Nadel im Arm auf der Liege zu sehen.“
Dominik Thiel sieht in seiner Aufklärungsarbeit nicht nur ein kurzfristiges Projekt, sondern verbindet damit einen Wunsch: „Meine Hoffnung ist natürlich, dass die Erstspender auch nach der Schule – egal wo es sie hin verschlägt, alleine oder mit Freunden – weiterhin zur Blutspende gehen. Einige Schülerinnen und Schüler schicken Bilder aus ihren jeweiligen Wohnorten, in denen sie gemeinsam zur Blutspende gehen. Jeder Erstspender und auch jeder Schüler, der den Spendeablauf angeschaut hat, kann die Idee dieser wichtigen Aktion weitertragen und somit in die Öffentlichkeit rücken.“
Sein persönliches Blutspende-Highlight findet für Dominik Thiel jedes Jahr in der Adventszeit statt – zuletzt im Dezember 2025. Er berichtet: „Besonders schön ist immer der Blutspendetermin kurz vor Weihnachten in Markelsheim, da dann schon einige meiner ehemaligen Schülerinnen und Schüler für die Feiertage in der Nähe sind. Sie melden sich bei mir und fragen, ab wann wir in der Halle sind. Häufig geht meine Blutspende dann von 14.30 Uhr bis nach 20 Uhr, da viele alte und neue Geschichten, auch rund um das Thema Blutspenden, erzählt werden. Die meisten sind dabeigeblieben oder lassen sich auf jeden Fall zu diesem Termin wieder aktivieren.“
So einen Lehrer kann man sich nur wünschen. Vielen Dank, Dominik!
Wenn auch du mit einer Blutspende Leben retten möchtest, freuen wir uns auf deinen Besuch bei einem unserer zahlreichen Blutspendetermine in deiner Region.